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SCHÖNHEIT & PFLEGE

Gesunde Haut statt ‚gesunder‘ Bräune

In Zeiten des Klimawandels ist Sonnenschutz wichtiger denn je. Von Hannelore Mezei

„Braten“ in der prallen Sonne sollte der Vergangenheit angehören. Neben Hautkrankheiten und sogar Krebs, fördert UV-Strahlung auch vorzeitige Alterungsprozesse Die gute Nachricht: Immer weniger Menschen sterben an Hautkrebs. Die Gründe dafür sind einerseits erhöhte Awareness von Seiten der Bevölkerung für Hautkrebsvorsorge und letztlich frühere und bessere Therapien bösartiger Hauterkrankungen. 

Jährliche Vorsorgeuntersuchungen bei Dermatologen werden zunehmend zur Selbstverständlichkeit. Die schlechte Nachricht: Der Klimawandel. Einerseits nimmt die Zahl der warmen Tage zu, wodurch Menschen häufiger und länger UV-Strahlung ausgesetzt sind. Dies ist heutzutage bereits im Frühjahr der Fall. 

„Andererseits führt die erhöhte Konzentration von Treibhausgasen zur Entstehung ozonarmer Luftmassen (Niedrigozonereignisse), welche die UV-Bestrahlungsstärke stark erhöhen können. Die Gefahr für Sonnenbrand steigt“, warnt die Wiener Fachärztin für Dermatologie Dr. Andrea Weihsengruber. Somit ist heute Sonnenschutz wichtiger denn je. 

Die Sonne, unser Freund 
Doch wie wir allle wissen, ist die Sonne nicht nur unser Feind, sondern auch ein Freund. Unbestritten ist, dass Sonnenlicht die Stimmung hebt und UV- Bestrahlung zur Bildung von Vitamin D im Körper erforderlich ist. Allerdings müssen wir dafür keineswegs stundenlang in der prallen Sonne „braten“. 

„Für die Bildung von Vitamin D reicht nämlich bereits die Sonnenbestrahlung von Händen und Gesicht für etwa 30 Minuten einmal wöchentlich, beispielsweise während eines Spaziergangs“, betont die Ärztin. Was die stimmungsaufhellende Wirkung betrifft, so schränkt sie ein: „Es ist nachgewiesen, dass dieser Effekt auch durch UV-freies, sehr helles Licht erreicht werden kann. Eine solche, völlig nebenwirkungsfreie Lichttherapie wird in der Behandlung der Herbst-Winter-Depression erfolgreich eingesetzt.“ 

Die Sonne, unser Feind 
Welche negativen Auswirkungen haben UV-Strahlen konkret? Dr. Weihsengruber gibt einen Überblick: Man unterscheidet drei Varianten von UV-Licht: das langwellige UVA-Licht, das kurzwellige UVB-Licht und das ultrakurzwellige UVC-Licht. 
• Das langwellige UVA-Licht macht mit 95 Prozent den größten Anteil des UV-Lichts aus und dringt bis in die tiefe Lederhaut ein. Dort führt es insbesondere zu einer Schädigung der elastischen und kollagenen Fasern und beschleunigt dadurch die Hautalterung. Außerdem fördert es die Entwicklung von Krebs und kann darüber hinaus eine „Sonnenallergie“ provozieren. 
• Mittelwellige UVB-Strahlung hat die gravierendsten negativen Auswirkungen auf die Haut. Sie dringt in die oberen Teile der Lederhaut ein und führt dort zur Entstehung eines Sonnenbrands. Eine Anhäufung von Sonnenbränden im Lauf der Jahre ist der größte Risikofaktor für Hautkrebs. 
• UVC-Strahlung wird normalerweise nahezu vollständig von der Ozonschicht aufgenommen. Bei Niedrigozonwerten können aber auch UVC-Strahlen an die Erdoberfläche gelangen. Sie dringen zwar nur sehr oberflächlich bis in die mittlere Oberhaut ein, dort wirken sie jedoch außerordentlich toxisch und begünstigen die Entstehung von Hautkrebs. 

Geschützt ins Frühjahr 
Ist daher die Ängstlichkeit mancher Menschen, die auch an Winter- und Regentagen nie ohne hohen Sonnenschutz aus dem Haus gehen, gerechtfertigt? Natürlich ist zu viel Schutz besser als zu wenig. Allerdings hängt das Ausmaß der Schäden durch UV-Strahlen vom UV-Index ab, der den am Boden erwarteten Tagesspitzenwert der sonnenbrandwirksamen UV-Strahlung beschreibt. Je höher der Index, umso größer die Gefahr. 

„Dieser Index sinkt in den Wintermonaten in unseren Breiten deutlich“, beruhigt die Hautärztin. „Erst ab einem Index von 3 (wird im Winter bei uns fast nie erreicht) ist Sonnenschutz gegen Hautschäden und Sonnenbrand sinnvoll. Ausnahmen sind selbstverständlich der Aufenthalt in großen Höhen und in reflektierender Umgebung wie etwa beim Skifahren. Und ob niedrige UV-Werte unter 3 ein Fortschreiten der Hautalterung bewirken, ist nach derzeitiger Studienlage eher zweifelhaft. Ich persönlich halte daher die tägliche Anwendung von Sonnenschutz im Winter für nicht notwendig.“ 

Umso wichtiger ist Sonnenschutz im Frühjahr und Sommer. Sowohl um der Hautalterung vorzubeugen als auch um die Entwicklung von Hautkrebs bzw. anderen sonnenbedingten Hautveränderungen zu verhindern. Das soll natürlich niemandem die Freude an den wärmenden Sonnenstrahlen verderben. Doch ist ohnehin der jahrzehntelange Trend zu „gesunder“ Bräune dem neuen Trend zu gesunder Haut gewichen. 

Wie so oft im Leben macht auch bei der Sonnenbestrahlung die Dosis das Gift. Das bedeutet: Meiden Sie die Mittagssonne zwischen 11.00 und 15.00 Uhr und schützen Sie sich unbedingt vor einem Sonnenbrand! Denn neben dem Hauttyp spielen nicht nur die genetische Veranlagung, sondern vor allem die Anzahl der Sonnenbrände im Laufe der Jahre eine wesentliche Rolle bei der Entstehung von Sonnenschäden bis hin zum Krebs. Insbesondere Sonnenbrände in der frühen Kindheit stellen einen enormen Risikofaktor dar. 

Die häufigsten Sonnenschäden 
Harmlos, aber kosmetisch störend 
• Vorzeitige Hautalterung (Photoaging) durch Schädigung der elastischen Fasern und Verdünnung der Oberhaut. 
• Braune Pigmentflecken (solare Lentigines) entstehen vorzugsweise im Gesicht 
• Rote Äderchen (Erythrosis interfollicularis) , die vor allem bei Erwärmung deutlich hervortreten 
• Aktinische Poikilodermie: Ein „buntes“ Bild aus weißen, braunen Flecken, Gefäßerweiterungen und ausgedünnter Haut 
• Polymorphe Lichtdermatose. Wird oft fälschlicherweise als Sonnenallergie bezeichnet. Ist eine Sonnenunverträglichkeit, die sich durch kleine gerötete juckende Knötchen hauptsächlich im Bereich des Dekolletés zeigt. 

Gefährlich! 
• Aktinische Keratosen: Sie zählen zu den häufigsten Sonnenschäden, die nach längerem Bestehen in den bösartigen weißen Hautkrebs Plattenepithelkarzinom übergehen können. Diese Keratosen zeigen sich als meist rosafärbige raue Stellen 
• Basaliom: Die häufigste Form von weißem Hautkrebs, der überwiegend an stark sonnenexponierten Arealen (z.B. Nase) auftritt 
• Lentigo maligna: Dunkel pigmentierter Sonnenschaden, der eine Vorstufe des invasiven Melanoms darstellt 
• Melanom: Bösartiger schwarzer Hautkrebs, der meist rasch wächst und Metastasen verursacht. Durch rechtzeitige operative Entfernung ist eine vollständige Heilung möglich. Diese oft lebensgefährlichen Hauterkrankungen können heute mittels moderner Therapien sehr gut behandelt werden. Teils durch Entfernung, teils mit Cremes oder anderen Medikamenten. Dr. Weihsengruber: „In den letzten 15 Jahren hat sich in der Entwicklung neuer Therapien unglaublich viel getan“. So kann ein Melanom, eine der aggressivsten Krebsarten des Menschen nicht nur bei Früherkennung vollständig geheilt werden, sondern sogar in fortgeschrittenem Stadium ist mit begleitender Therapie ein langes Überleben möglich. 

Auf der sicheren Seite 
Zunächst ganz einfach: Entweder durch Vermeidung der UV-Strahlen oder durch entsprechende Sonnenschutzmittel mit hohem Lichtschutzfaktor (LSF). Der LSF gibt an, um wie viel mal länger man sich mit diesem Schutz in der Sonne aufhalten kann als ungeschützt. 

Die Höhe des jeweils notwendigen LSF ergibt sich aus folgenden Faktoren: Stärke des UV-Lichts (abhängig von Breitengrad, Jahreszeit, Tageszeit, Bewölkung, Höhenlage und Reflexion durch Schnee, Sand, Wasser), Hautphototyp, Alter, Begleiterkrankungen, Medikamenteneinnahme. 

Generell empfiehlt die Hautärztin für Kinder, Risikopatienten mit bestehenden Sonnenschäden und Menschen mit Hautphototyp 1 und 2 den LSF 50. Für die Hauttypen 3 und 4 ist in unseren Breiten LSF 30 ausreichend. Nach jedem Wasserkontakt ist nachzucremen! Kinder sollten zusätzlich durch Kleidung und Kopfbedeckung geschützt werden.

Hauttypen
Typ 1: Extrem empfindlich, rothaarig, Sommersprossen, helle Haut, helle Augenfarbe. Ungeschützt sofort Sonnenbrand. Maximale Eigenschutzzeit 5 bis 10 Minuten. 
Typ 2: Blond, blauäugig, helle Haut, ungeschützt oft Sonnenbrand. Eigenschutzzeit 20 bis 30 Minuten. 
Typ 3: Brünett, helle bis hellbraune Haut, dunkelgraue oder braune Augen, schnelle Bräunung. Maximale Eigenschutzzeit 20 bis 30 Minuten. 
Typ 4: Weitgehend unempfindlich. Dunkelhaarig, olivfarbene bis dunkle Haut, braune Augen. Maximale Eigenschutzzeit 30 bis 40 Minuten.

“Sonnige Irrtümer”
• Wenn ich mich im Solarium vorbräune, schütze ich mich vor Sonnenbrand im Urlaub. 
FALSCH! In den meisten Solarien wird mit reinem UVA-Licht bestrahlt, das nur minderwertiges Hautpigment erzeugt und nicht vor natürlichem UV-Licht schützt. Hingegen wird die Hautalterung dadurch beschleunigt.

• Im Schatten kann ich keinen Sonnenbrand bekommen. 
FALSCH! Bäume, Wolken oder Sonnenschirme filtern nur einen Teil der UV-Strahlen. Daher im Sommer trotzdem eincremen.

• Mit mehrmaligem Nachcremen kann ich den ganzen Tag in der prallen Sonne bleiben. 
FALSCH! Die Schutzzeit durch den Lichtschutzfaktor ist genau auf die angegebene Zeit (z.B. 30-mal Eigenschutzzeit bei LSF 30) begrenzt. Danach ist nicht mehr der volle Schutz gegeben.

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