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SCHÖNHEIT & PFLEGE

Hilfe, so viele Haare in der Bürste!

Was ist schuld daran? Nur selten eine Erkrankung. Vielleicht sind die Hormone aus dem Lot oder Stress setzt einem zu. Oft bringen schon die richtigen Pflegemaßnahmen Besserung. Von Eva Rohrer

Haare nicht täglich waschen und nur milde Shampoos verwenden. Schon eine geringe Menge davon reicht aus. Haarausfall wird als beunruhigend empfunden. Ein Alarmzeichen, dass etwas nicht stimmt. 

Kaum verwunderlich, Haare haben seit jeher Bedeutung: Als Schutz vor Kälte, Wärme und Schmutz. Bis heute gelten sie als Sinnbild von Weiblichkeit und mit der Frisur drücken wir etwas aus, wir verbinden sie mit unserer Persönlichkeit. Das ist es schon wert, sich dem Kopfschmuck näher zu widmen. 

Schließlich möchte jeder gesunde, glänzende Haare und gerät in Panik, wenn viele davon in der Bürste zurückbleiben oder von der Kleidung entfernt werden müssen. Einmal vom erblich bedingten Schütterwerden bzw. der Glatzenbildung sowie Haarausfall in Zusammenhang mit Erkrankungen (ärztliche Abklärung bei plötzlichem bzw. länger andauerndem Haarverlust erforderlich) abgesehen, lässt sich viel mit dem Lebensstil und Pflegemaßnahmen erreichen. 

Die Haare reagieren auf verschiedene Einflüsse von außen und innen. Bei Hormonveränderungen müssen wir auch oft Haare lassen, etwa nach einer Schwangerschaft oder in den Wechseljahren, bis sich die Hormonsituation einpendelt. 

Haartrauma Stress 
Stress wird oft unterschätzt als Auslöser für Haarausfall. Überlastung und traumatische Ereignisse beeinflussen den Stoffwechsel des gesamten Körpers und stören das Gleichgewicht des Haarzyklus (siehe Kasten) – die einzelnen Phasen verlaufen nicht mehr rhythmisch. Das Stresshormon Cortisol hemmt das Haarwachstum. 

Unter anderem wird die ausreichende Nährstoffzufuhr gestört und entzündliche Reaktionen können entstehen, die den Haarfollikel angreifen, was sich mit Juckreiz bemerkbar machen kann. Der Kopfschmuck wird zunächst glanzlos, dünner, schließlich verabschieden sich vermehrt Haare. Da dies aber versetzt, oft Wochen später nach den negativen Einflüssen auftritt, denken viele gar nicht daran, dass hier ein Zusammenhang bestehen könnte. 

Wachstum mit Glück 
Aber keine Sorge, geht es uns wieder längere Zeit besser, erholen sich auch die Haare. Übrigens: Das Glückshormon Endorphin neutralisiert Stresshormone. Wenn Sie nicht gerade frisch verliebt sind, regen Sie auch mit sportlichen Aktivitäten die Endorphin-Ausschüttung an. Regelmäßiges Entspannungstraining tut dem Wachstum unseres Kopfschmuckes ebenso gut wie der Aufenthalt an der frischen Luft, schonende Pflege sowie haarfreundliche Ernährung. 

Superfood für die Mähne 
• Pflanzliche Eiweißstoffe (Bohnen, Linsen, Erbsen, Mandeln, Kürbiskerne). Zu wenig Protein kann Auswirkungen auf die Festigkeit der Haare haben. 
• Haferflocken sind fast unverzichtbar, enthalten sie doch viel Zink, Biotin, Kupfer, B-Vitamine, Magnesium, Eisen (für die Bildung roter Blutkörperchen wichtig, um den Nährstofftransport zu gewährleisten), Kalium und Phosphor. 
• Vitamine: Vitamin A (für die Haarfollikel wichtig). Vitamin C fördert die Eisenaufnahme im Körper und ist in Obst, Gemüse enthalten (reichlich etwa in Paprika). Vitamin E (Walnüsse, Olivenöl, Paradeiser, Himbeeren) wirkt unter anderem Entzündungen entgegen und ist wichtig für die Blutgefäße in der Kopfhaut. Regelmäßig Gemüse und Obst in den Speiseplan einbauen. Und nicht zu vergessen auf ausreichende Vitamin-D-Versorgung, weil ein Mangel die Wachstumsphasen verkürzen kann. 
• Omega-3-Fettsäuren (Nüsse, Lachs) und Coenzym Q10 sind ebenfalls wichtige Bausteine, die das Haarwachstum fördern und an der Talgproduktion beteiligt sind (Haarschutz). 
• Silizium (Kieselerde) ist ein Nähr- und Aufbaustoff und zum Beispiel reichlich in Erdäpfeln, Hirse, Hafer, Paprika, Bananen und Erdbeeren enthalten. 

Schlafen Sie gut! 
Sorgen Sie für ausreichend nächtliche Erholung. Ausreichend ist natürlich individuell unterschiedlich, das können sechs Stunden sein, andere brauchen acht oder neun. Es bedeutet jedenfalls: Geben Sie Ihrem Körper, was er braucht, um sich wohlzufühlen. Dann profitieren auch die Haare, denn die Haarwurzeln regenerieren sich besser, wenn wir tief und fest schlummern. 

Sollten Sie damit Probleme haben, versuchen Sie es mit Schlafritualen wie Handy stummschalten, Entspannungstraining vor dem Zubettgehen, ein Spaziergang, eine Tasse Tee genießen oder in einem (nicht aufregenden) Buch schmökern. 

Machen Sie es Ihrem Haar nicht schwer 
Richtige Pflege unterstützt gesundes Haar. Was tut gut, was sollten Sie lieber bleiben lassen? Die Haare zum Beispiel besser nicht täglich waschen, um die Belastung für Mähne und Kopfhaut gering zu halten. Ebenfalls schonend: Lauwarmes Wasser. Heißes trocknet aus und reizt die Kopfhaut. Nur mildes Shampoo benutzen, damit die Haare nicht komplett entfettet werden. 

Damit würde man ihnen den Schutzmantel entziehen. Wenig Reinigungsmittel verwenden. Die Menge im Umfang einer Haselnuss genügt. Kurz in den Haaransatz des gesamten Kopfes einmassieren, die restliche Länge der Haare wird beim Ausspülen des Shampoos ausreichend benetzt und gereinigt. Vermeiden Sie es, ständig die Produkte zu wechseln! 

Nass und empfindlich 
Feuchtes Haar quillt auf und reagiert empfindlich. Beim Abtrocknen nur ausdrücken, keinesfalls rubbeln, besonders bei feinem Haar bilden sich sonst leicht Knötchen. Bürsten und kämmen Sie vor dem Waschen oder nach dem Trocknen. Nassem Haar kann diese Bearbeitung schaden, es wird aufgeraut, in die Länge gezogen und kann leicht brechen. Höchstens vorsichtig eventuelle „Verfilzungen“ mit einem grobzinkigen Kamm zu lösen versuchen. 

Auf gute Qualität der Haarutensilien achten. So können z. B. „Nähte“ zwischen den Kamm-Zinken das Haar aufrauen, ebenso schlecht verarbeitete Bürsten. An der Luft trocknen, wäre die schonendste Methode. Doch so lange möchte bzw. kann kaum jemand warten. Daher werden die meisten doch zum Föhn greifen, den man optimalerweise auf lauwarm einstellen kann. Das Gerät im Abstand von 15 bis 20 Zentimetern entfernt von den Haaren halten. 

Über Nacht verfilzt 
Langes Haar vor dem Zubettgehen ganz locker zu einem Zopf flechten oder zusammenbinden, um Knötchenbildung und das Aufrauen der Oberfläche zu minimieren. Denn nachts drehen wir uns ständig hin und her und reiben dabei ständig auf der Bettwäsche. In diesem Zusammenhang: Der Polsterüberzug sollte aus feiner, glatter Baumwolle, Viskose oder Seide bestehen. 

Dauerwellen strapazieren den Kopfschmuck chemisch und mechanisch, weil sie in die Haarstruktur eingreifen und sollten bei Haarausfall auf jeden Fall vermieden werden. Auch Färben ist ein chemischer Eingriff und sollte bei Problemhaaren gut überlegt werden. Vielleicht begnügen Sie sich mit einzelnen Strähnchen oder versuchen natürliche Pflanzenfarben. Vorsicht: Lockenstäbe, Glätteisen arbeiten mit Hitze und Druck und „zwingen“ die Haare in eine bestimmte Form. Diese praktischen Styling-Hilfen für eine festliche Frisur sollten aber nicht ständig benutzt werden. Vor allem, wenn die Haare leicht brechen, verzichtet man besser darauf. 

Weniger straff bitte 
Stecken Sie Ihr Haar gerne hoch, flechten es oder binden einen Pferdeschwanz? Aber bitte nicht zu straff, weil sonst ein ständiger Zug auf der Kopfhaut besteht und auch die Haare werden gedehnt. Nur weiche, mit Stoff ummantelte „Haar-Ringe“ bzw. -Bänder verwenden und keinesfalls Haushalts-Gummiringerl, dadurch wird regelrecht gezerrt an den Haaren. 

Eine nährende Packung oder ein Serum pflegt das Haar. Sanftes Massieren der Kopfhaut fördert die Durchblutung und damit den Transport von Nährstoffen zu den Haarwurzeln. Auch sanftes Bürsten und Kämmen aktiviert die Durchblutung und verteilt schützende Fettbestandteile im Haar, so werden sie weich und glänzend.

Was ist normal?
Grundsätzlich fallen immer Haare aus, je nachdem, in welcher Phase sie sich gerade befinden. 60 bis 100 Haare täglich sind kein Grund zur Sorge, das gehört zur normalen Erneuerung. 

Um die 80 Prozent aller Haare befinden sich in der Wachstumsphase, was ca. zwei bis sechs Jahre dauern kann. Pro Monat wachsen die Haare ein bis 1,5 Zentimeter, im Frühjahr und Sommer mehr als in der kalten Jahreszeit. In einem Jahr verlängert sich die Haarpracht ohne Haarschnitt also um ungefähr 10 bis 18 Zentimeter.

Die einen gehen, die anderen wachsen
Nach einer kurzen Übergangszeit tritt bei 15 Prozent der Haare die sogenannte Ruhephase ein. Während zwei Wochen stoppt das Wachstum und die Haare lösen sich langsam aus der Wurzel. Einige Monate später fallen sie aus. Dafür werden aber wieder neue gebildet. Solange hier eine Balance herrscht, bleibt der Kopfschmuck gleich dicht. 

Weil die Haare während des Sommers größeren Belastungen durch Sonne und Badefreuden in Meer- und Salzwasser ausgesetzt sind, ziehen sich Haarfollikel im Sommer oft vermehrt in die Ruhephase zurück. Im Herbst fällt dann auf, dass mehr Haare ausgehen.

Wie viel Haare haben wir auf dem Kopf?
Das ist individuell sehr unterschiedlich, in den Genen festgelegt und hängt mit der Haarfarbe zusammen. Durchschnittlich sprießen etwa 100.000 Haare pro Kopf. Bei Blondinen können es schon mal 150.000 sein, dafür ist der Kopfschmuck oft dünner. Über kräftiges Haar dürfen sich Dunkelhaarige freuen, dafür haben sie weniger. Bei Rotschöpfen sind es oft „nur“ 90.000.

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